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<title>Stanze</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Stanze</span></h1>
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<p>Die <b>Stanze</b> (ital. <i>stanza</i>, „Raum“ im Sinne von: Gedanken <i>Raum</i> geben), auch: <b>Oktave</b> (ital. <i>Ottava rima</i>), ist eine aus Italien stammende <a href="Strophenform" class="mw-redirect" title="Strophenform">Strophenform</a>. Eine Stanze besteht aus acht <a href="Endecasillabo" title="Endecasillabo">Endecasillabi</a> und hat das <a href="Reimschema" title="Reimschema">Reimschema</a> <samp style="font-style:normal;">[abababcc]</samp>; im Deutschen wird als Vers der <a href="Jambischer_F%C3%BCnfheber" title="Jambischer Fünfheber">jambische Fünfheber</a> verwendet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Italienische_Dichtung">Italienische Dichtung</h2></div>
<p>In Italien wurde die Stanze von <a href="Giovanni_Boccaccio" title="Giovanni Boccaccio">Giovanni Boccaccio</a> bei größeren <a href="Epos" title="Epos">Versepen</a> verwendet und so bekannt gemacht, <i>Il Filostrato</i> (1335) und <i>Teseida</i> (1341). Weitere bedeutsame in Stanzen geschriebene Werke sind <a href="Ludovico_Ariosto" title="Ludovico Ariosto">Ludovico Ariostos</a> <i><a href="Der_rasende_Roland" title="Der rasende Roland">Orlando furioso</a></i> (1516–1532) und <a href="Torquato_Tasso" title="Torquato Tasso">Torquato Tassos</a> <i><a href="La_Gerusalemme_Liberata" class="mw-redirect" title="La Gerusalemme Liberata">La Gerusalemme Liberata</a></i> (1574). Daraus als Beispiel die erste Stanze des ersten Gesangs:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Canto l’arme pietose, e ’l Capitano<br>
Che ’l gran sepolcro liberò di Cristo.<br>
Molto egli oprò col senno e con la mano;<br>
Molto soffrì nel glorioso acquisto:<br>
E invan l’Inferno a lui s’oppose; e invano<br>
s’armò d’Asia e di Libia il popol misto:<br>
Chè ’l Ciel gli diè favore, e sotto ai santi<br>
Segni ridusse i suoi compagni erranti.
</p>
</div>
<p>In der deutschen Übersetzung von <a href="Johann_Diederich_Gries" title="Johann Diederich Gries">Johann Diederich Gries</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Den Feldherrn sing' ich und die frommen Waffen,<br>
So des Erlösers hohes Grab befreit.<br>
Viel führt' er aus, was Geist und Arm geschaffen,<br>
Viel duldet' er im glorreich kühnen Streit.<br>
Und fruchtlos droht die Hölle, fruchtlos raffen<br>
Sich Asien auf, und Libyen, kampfbereit;<br>
Denn Gottes Huld führt zu den heil'gen Fahnen<br>
Ihm die Gefährten heim von irren Bahnen.
</p>
</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Deutsche_Dichtung">Deutsche Dichtung</h2></div>
<p>Das erste große deutsche Stanzenepos war die Versübertragung von Torquato Tassos <i><a href="Das_befreite_Jerusalem" class="mw-redirect" title="Das befreite Jerusalem">Gerusalemme liberata</a></i> (1574) durch <a href="Diederich_von_dem_Werder" title="Diederich von dem Werder">Diederich von dem Werder</a><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Weitere im 17. Jahrhundert entstandene Übersetzungen aus italienischen Texten verwendeten als Vers den <a href="Alexandriner" title="Alexandriner">Alexandriner</a>, die für die Stanze kennzeichnende Reimstellung wurde nicht immer beachtet.
</p><p>Die eigentliche deutsche Entsprechung der italienischen Strophe kam 1774 mit den 40 Stanzen in Gebrauch, die <a href="Wilhelm_Heinse" title="Wilhelm Heinse">Wilhelm Heinse</a> seinem Roman <i>Laidion</i> angefügt hat. <a href="Johann_Wolfgang_Goethe" class="mw-redirect" title="Johann Wolfgang Goethe">Johann Wolfgang Goethe</a> folgte Heinses Vorbild, und die von diesen beiden Dichtern verwendete Form der Strophe wurde zur Hauptform der deutschen Stanze. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stanze dann eine angesehene und vielverwendete Form; danach nahm ihre Bedeutung langsam ab. In der Dichtung des 20. Jahrhunderts spielte die Stanze nur noch eine kleine Rolle.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Form">Form</h3></div>
<p>Die von Heinse und Goethe geschaffene Hauptform der deutschen Stanze besteht aus acht jambischen Fünfhebern mit der Reimanordnung <samp style="font-style:normal;">[abababcc]</samp>; V1, V3, V5, V7 und V8 schließen dabei weiblich-unbetont, V2, V4, V6 schließen männlich-betont: <i>w m w m w m w w</i>. Als Beispiel die erste Stanze der Zueignung in Goethes <a href="Faust_I" class="mw-redirect" title="Faust I">Faust I</a>:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,<br>
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.<br>
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?<br>
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?<br>
Ihr drängt euch zu! Nun gut, so mögt ihr walten,<br>
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;<br>
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert<br>
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.
</p>
</div>
<p>Goethe schätzte dabei wie Heinse die <a href="Z%C3%A4sur" title="Zäsur">Zäsur</a> (oder doch zumindest den Wortschluss) nach der vierten Silbe.
</p><p>Die genaueste Nachbildung des italienischen Vorbilds enthält ausschließlich weiblich-unbetonte Versschlüsse: <i>w w w w w w w w</i>. So sind viele Stanzen der Romantiker gebaut. Als ein spätes Beispiel die erste der <i>winterlichen Stanzen</i> von <a href="Rainer_Maria_Rilke" title="Rainer Maria Rilke">Rainer Maria Rilke</a>:
</p>
<div style="margin-left:2em;font-style:italic;" class="poem">
<p>Nun sollen wir versagte Tage lange<br>
ertragen in des Widerstandes Rinde;<br>
uns immer wehrend, nimmer an der Wange<br>
das Tiefe fühlend aufgetaner Winde.<br>
Die Nacht ist stark, doch von so fernem Gange,<br>
die schwache Lampe überredet linde.<br>
Lass dichs getrösten: Frost und Harsch bereiten<br>
die Spannung künftiger Empfänglichkeiten.
</p>
</div>
<p>Aber auch Stanzen mit ausschließlich männlichen Versschlüssen (<i>m m m m m m m m</i>) oder zwar wechselnden, aber männlich-betont einsetzenden Versschlüssen (<i>m w m w m w m m</i>) finden sich. Oft wechseln in längeren Stanzengedichten alle diese Formen untereinander.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Verwendung">Verwendung</h3></div>
<p>Nach italienischem Vorbild wurde die Stanze auch in der deutschen Dichtung in längeren Verserzählungen benutzt, beispielsweise von <a href="Josef_Viktor_Widmann" class="mw-redirect" title="Josef Viktor Widmann">Josef Viktor Widmann</a>. Größer ist aber ihre Bedeutung als lyrische Strophe; auch im Drama ist sie verwendet worden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verwandte_Formen">Verwandte Formen</h2></div>
<p>Aus der Stanze entwickelte oder mit ihr eng verwandte Formen sind: <a href="Siziliane" title="Siziliane">Siziliane</a>, <a href="Nonarime" title="Nonarime">Nonarime</a>, <a href="Huitain" title="Huitain">Huitain</a> und <a href="Spenserstrophe" title="Spenserstrophe">Spenserstrophe</a>. Die siebenzeilige Stanze <a href="Geoffrey_Chaucer" title="Geoffrey Chaucer">Geoffrey Chaucers</a> hat das Reimschema ABABBCC; sie wird auch von den Dichtern der schottischen Renaissanceliteratur verwendet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Jakob_Minor" title="Jakob Minor">Jakob Minor</a>: <i>Neuhochdeutsche Metrik.</i> 2. Auflage, Trübner, Strassburg 1902, S. 466–470.</li>
<li>Gerhard Bünte: <i>Zur Verskunst der deutschen Stanze</i> (= <i><a href="Bausteine_zur_Geschichte_der_neueren_deutschen_Literatur" title="Bausteine zur Geschichte der neueren deutschen Literatur">Bausteine zur Geschichte der neueren deutschen Literatur</a></i>; Band XXII). Max Niemeyer, Halle (Saale) 1928.</li>
<li><a href="Horst_Joachim_Frank" title="Horst Joachim Frank">Horst Joachim Frank</a>: <i>Handbuch der deutschen Strophenformen.</i> Hanser, München & Wien 1980, S. 661–663 und S. 671–679.</li>
<li><a href="Konrad_Beyer" title="Konrad Beyer">Konrad Beyer</a>: <i>Deutsche Poetik</i>, 1. Band. 3. Auflage, Behr, Berlin 1900, S. 550–558.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Torquato Tasso: Das befreite Jerusalem, übersetzt von Johann Diederich Gries, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1855.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Torquato Tasso: Gottfried von Bulljon oder Das erlösete Jerusalem, übertragen von Diederich von dem Werder; Nachdruck der Erstausgabe 1626, herausgegeben von <a href="Gerhard_D%C3%BCnnhaupt" title="Gerhard Dünnhaupt">Gerhard Dünnhaupt</a>, Niemeyer, Tübingen 1974.</span>
</li>
</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Gstanzl" title="Gstanzl">Gstanzl</a></li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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